„Wandel in der Landwirtschaft“ - Ein Leserbrief von Michael Schwab und Andreas Maaß

Im Rahmen eines Leserbriefes haben sich Michael Schwab, Vorsitzender der Westfälisch-Lippischen Landjugend und Andreas Maaß, Vorsitzender des Ringes der Landjugend in Westfalen-Lippe zur Reihe "Wandel in der Landwirtschaft" des Landwirtschaftlichen Wochenblattes mit dem Größenwachstum in der Landwirtschaft befasst.

Der Leserbrief ist in der aktuellen Ausgabe des "Landwirtschaftlichen Wochenblattes" (www.wochenblatt.com) vom 26.05.2011 Ausgabe 21/2011 auf Seite 8 erschienen:

 

 

„Wandel in der Landwirtschaft“ ist der Titel der Reihe, mit der sich das Landwirtschaftliche Wochenblatt mit dem Größenwachstum in der Landwirtschaft befasst. Denn das ist hier wohl gemeint mit dem Wort Wandel: Betriebsgrößen, die noch vor zehn Jahren allein in Ostdeutschland vermutet worden wären halten nun auch in Westfalen-Lippe Einzug. 600 Milchkühe auf einem Betrieb im Sauerland, der allgemeine Rückgang der Höfezahl um ein paar Prozent jedes Jahr und die „Wachstumsschwelle“, die jetzt bei 100 ha liegen soll, sind die Zahlen, die diesen Wandel beschreiben.

Die Herausforderungen, die sich daraus ergeben sind zahlreich: Welche Öffentlichkeitsarbeit muss der einzelne Landwirt und der Berufsstand als solcher leisten, um die politischen und gesellschaftlichen Bedingungen zu erhalten oder zu schaffen, die er für sein wirtschaften braucht? Wie sieht es mit der Lobbyarbeit aus, etwa beim Tierschutz oder beim Bauen im Außenbereich?

Doch bei den vielfältigen Fragen, die diese Entwicklung mit sich bringt, lauert eine alte Gefahr: Den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. Denn die Entwicklung beim Größenwachstum wird ja innerhalb des landwirtschaftlichen Berufsstandes alles andere als einhellig bewertet. Auf der einen Seite stehen Betriebsleiter, die mit hohen unternehmerischen Einsatz eben diesen Wandel vorantreiben, expandieren und ihre Betriebe spezialisieren. Auf der anderen Seite macht sich ein zunehmendes Unbehagen an den großen Ställen breit. Dann ist plötzlich von „Agrarfabriken“ die Rede, ein Ausdruck der vor einer Weile noch (fast)  im gesamten Berufsstand als Kampfbegriff geächtet war.

Will sagen: Bevor es daran geht, die Einzelheiten des Wandels in der Landwirtschaft auszugestalten, muss eine Einigkeit in der Bewertung des Vorgangs erzielen werden. Von vielen Seiten außerhalb der Landwirtschaft warten Interessengruppen nur darauf, die sich abzeichnenden Konfliktlinien innerhalb des Berufsstandes für ihre Zwecke zu nutzen. Dies hätte eine signifikante Schwächung landwirtschaftlicher Interessenvertretung zur Folge, die kein Bauer ernsthaft wollen kann.

Als Leitlinien für die Gestaltung des „Wandels in der Landwirtschaft“ wird zuerst eine Vorstellung davon benötigt, wie landwirtschaftliche Produktion in Zukunft aussehen soll. In einer Zukunftsinitiative Landwirtschaft „ZIeL 2030“ diskutiert die Landjugend Deutschlandweit gemeinsam mit jungen Führungskräften aus dem Agrarsektor, dem vor- und nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft, aus Parteien, Verbänden und Organisationen um eine gemeinsame und zukunftsträchtige Vorstellung zu entwickeln.


Michael Schwab, Vorsitzender der Westfälisch-Lippischen Landjugend
Andreas Maaß, Vorsitzender des Ringes der Landjugend in Westfalen-Lippe