PM - Spannende Diskussionen zu Schulen auf dem Land

28.09.2010

Spannende Diskussionen beim WLL-Referat Jugendpolitik zu Schulen auf dem Land

Das Referat Jugendpolitik der Westfälisch-Lippischen Landjugend e.V. (WLL) beschäftigte sich am vergangenen Wochenende mit Schulen auf dem Lande.

Als erstes stand die Zeppelin-Hauptschule in Plettenberg auf dem Programm. Die vielen Berufsvorbereitungsmaßnahmen, von Koch- oder Metallverarbeitungskursen bis zum Bewerbungstraining mit örtlichen Firmenchefs, beeindruckten die Landjugendlichen sehr. Stolz präsentierte Schulleiter Klaus H. Meißner die Mensa, in der die Mitarbeiter der Ganztagsschule jeden Mittag knapp 200 frisch zubereitete Mahlzeiten an die Schüler ausgeben.

Bei einem Gespräch mit Elisabeth Minner, der Leiterin des Albert-Schweizer-Gymnasiums in Plettenberg, erörterten die Referatsmitglieder mit ihr die Probleme, die eine Schule mit großem Einzugsgebiet auf dem Lande kennzeichnen. So ist es nach den unterschiedlichen Schulschlusszeiten am Nachmittag zum Teil umständlich, mit dem Bus nach Hause zu kommen. Frau Minner machte neben dem Problem, Lehrkräfte für eine Tätigkeit außerhalb der großen Städte zu gewinnen, auf zwei weitere Trends aufmerksam. Zum einen würden Eltern und Schüler kritischer zwischen verschiedenen Schulen beim Übergang von den Grundschulen auswählen. So würde für eine Schule, die ein gutes Angebot macht, oft ein längerer Fahrweg ins Kauf genommen. Zweitens würde, da auch auf dem Lande in immer mehr Familien beide Eltern berufstätig seien, auch dort mehr Ganztagsbetreuung nachgefragt.

Als drittes besuchten die Referatsmitglieder das Bürgerhaus des Dorfes Bremcke, das bis in die 1960er Jahre als Dorfschule genutzt wurde. Dort berichtete Heinz-Dietmar Schulz, selbst ehemaliger Dorfschüler, darüber, wie seit Beginn des 19. Jahrhunderts auf Dörfern selbstständige Schulen eingerichtet wurden. Viele der heute diskutierten Fragen, wie altersübergreifendes Lernen und Ganztagsschule seien übrigens Themen, die bereits vor 200 Jahren schon "Schule machten". Als Vorsitzender des Schulausschusses der Stadt Plettenberg war Schulz auch idealer Ansprechpartner für weitere Fragestellungen. Diskutiert wurde unter anderem, wie Absolventen ländlicher Schulen dafür begeistert werden könnten, auf dem Land zu bleiben, denn Fachkräftemangel ist auch für Unternehmen in ländlichen Regionen ein Problem.

Als Fazit hielten die Teilnehmer des Referats unter anderem fest, dass Hauptschulen sehr gute Schulen sein können. Zur Diskussion steht für sie jedoch nicht in erster Linie das Schulsystem: „Es geht nicht zentral um die Frage des gegliederten Schulwesens. Es geht darum, dass man die Bildungsdiskussion nicht immer an Negativbeispielen aus dem Ruhrgebiet festmachen soll, sondern auch mal aufs Land raus gehen kann, um dort zu sehen, was Schulen erfolgreich macht“, bemerkt Michael Schwab, erster Vorsitzender der WLL. „Ihre Abqualifizierung als ‚Restschulen’ kann an vielen guten Beispielen widerlegt werden. Eine gute Schulinfrastruktur auf dem Land ist notwendige Vorraussetzung dafür, Familien zum Leben und Bleiben auf dem Land zu bewegen und Fachkräfte für die Wirtschaft am Ort hervorbringen zu können.“