Statement zum Mercosur-Abkommen vom 27. Jan. 2026
des Ringes der Landjugend in Westfalen-Lippe
Freihandelsabkommen, wie das aktuell viel diskutierte Mercosur-Abkommen, sind aus Sicht des Rings der Landjugend (RdL) ein wichtiger Baustein der globalen Wirtschaft, welche den freien Handel zwischen den Mitgliedsstaaten sowie eine gemeinsame Außenpolitik maßgeblich stärken. Gleichwohl dürfen mit einem solchen Abkommen nicht Nachhaltigkeit, Tierwohl und hohe Produktionsstandards, als Grundlage zukunftsfähiger Landwirtschaft, auf Kosten unserer europäischen Betriebe ins Wanken geraten.
Chancen, die das Mercosur-Abkommen für ganz Europa eröffnet, liegen aus Sicht des RdLs auf der Hand: Verbesserter Zugang und Exportmöglichkeiten zu Mercosur-Märkten, reduzierte Zölle auf Exporte sowie eine geopolitische Diversifizierung der Handelsbeziehungen, die vor allem vor dem Hintergrund aktueller globaler Konflikte an Bedeutung gewinnen dürfte.
Laut Expertenmeinung liegt der geschätzte Anstieg der allgemeinen jährlichen Exporte in die Mercosur Staaten bei 39 %, was einem Wert von rund 49 Milliarden Euro entspricht. Gleichzeitig kommt es durch das Abkommen zu einer Sicherung von hunderttausenden Arbeitsplätzen innerhalb der europäischen Union, einer Abschaffung von Zöllen auf EU-Exporte im Wert von jährlich 4 Milliarden Euro sowie einer geschätzten Steigerung von EU-Agrar- und Lebensmittelexporten in den Mercosur um bis zu 50 %. Diese Steigerung im EU-Agrar und Lebensmittelsektor ist möglich durch
- Abgeschaffte Zölle auf z. B. Wein, Olivenöl, Malz, Getränke etc.
- Schrittweise Abschaffung von Zöllen auf Milcherzeugnisse
Die Einfuhren landwirtschaftlicher Erzeugnisse sollen weiter durch strikte Auflagen begrenzt werden, um eine Überschwemmung des Marktes zu verhindern. Der Prozentsatz an „Mehrware“ im Markt durch die Einfuhr beträgt dabei: 1,6 % Rindfleisch, 0,1 % Schweinefleisch sowie 1,5 % Geflügelfleisch.
Nichtsdestotrotz haben sich in der europäischen Landwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten Nachhaltigkeit und hohe Produktionsstandards zu entscheidenden Eckpfeilern unserer Landwirtschaft entwickelt und uns in diesem Bereich weltweit zu einem Vorreiter gemacht. Diese Errungenschaft ist unverzichtbar – gerade für uns jungen Landwirtinnen und Landwirte. Gleichzeitig darf nicht vergessen werden, dass diese Standards nicht nur Fortschritt bedeuten, sondern auch eine stetige Herausforderung für die Wirtschaftlichkeit unserer Betriebe darstellen. Die verursachten Kosten werden im Berufsstand nicht ohne Grund kontrovers diskutiert. Ein Abkommen wie Mercosur, das Importe zulässt, die diesen Standards nicht gerecht werden, bedroht die Wettbewerbsfähigkeit und gefährdet die Grundlage unseres Engagements für eine nachhaltige Landwirtschaft – ein Preis, den wir nicht zahlen dürfen.
„Freihandelsabkommen können ein starkes Signal für die internationale Zusammenarbeit setzen. Doch sie müssen auf Fairness, Nachhaltigkeit und gegenseitigem Respekt beruhen.“ betont Carmen Schulze Osthoff, Vorsitzende des Rings der Landjugend.
Zum Ring der Landjugend in Westfalen-Lippe
Die europäische Landwirtschaft darf nicht ausverkauft werden!
Stellungnahme zum Mercosur-Abkommen der WLL vom 17.12.2024
Mit großer Sorge haben wir, die Westfälisch Lippische Landjugend (WLL), zur Kenntnis genommen, dass die EU-Kommission dem Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten zugestimmt hat. Die WLL ist von den Entscheidungen der Kommission zutiefst enttäuscht und empfindet sie als inakzeptabel.
Wir stellen nicht Infrage, dass internationale Handelsabkommen für die deutsche Wirtschaft wichtig sind. Jedoch bedeutet das Abkommen in seiner derzeitigen Form einen unfairen Handel, dem wir als Junglandwirt*innen in Westfalen-Lippe aus folgenden Gründen nicht zustimmen können.
- Das Abkommen benachteiligt die europäische heimische Landwirtschaft massiv im Wettbewerb. Dies steht im Gegensatz zur von der EU-Kommission versprochenen Förderung der europäischen Landwirtschaft. Europäische Landwirte und Landwirtinnen finden sich in einem ungleichen Wettbewerb mit Agrarprodukten aus den Mercosur-Staaten wieder, die oft unter Bedingungen produziert werden, die weit unter unseren hohen Standards für Umwelt, Klima, Tierschutz und Lebensmittelsicherheit liegen. Daher sollte die Aussicht auf niedrigere Lebensmittelpreise kein Argument sein.
- Durch das geplante Freihandelsabkommen und die damit verbundene Schwächung der europäischen Landwirtschaft wird die Ernährungssicherheit in Europa gefährdet. Corona und der Krieg in der Ukraine haben uns gezeigt, wie wichtig eine starke heimische Landwirtschaft ist. Sie sichert eine stabile Versorgung mit Lebensmitteln.
- Auch in Puncto Umweltschutz ist dieses Abkommen mehr als kontraproduktiv. Steigende Importmengen von Fleisch oder pflanzlichen Produkten lassen vermuten, dass die Umweltzerstörung zum Beispiel im Amazonas-Regenwald zunimmt.
- Den europäischen Bürger*innen würden zukünftig Lebensmittel angeboten werden, die nicht mit den hohen Standards, die wir an die heimische Landwirtschaft stellen, vereinbar sind.
Das Abkommen ist also nicht nur ungerecht gegenüber der europäischen Landwirtschaft, sondern auch klimaschädlich und schlecht für die Versorgungssicherheit mit heimischen Lebensmitteln. Das geplante Abkommen ist unfair gegenüber der Landwirtschaft und den Konsument*innen. Wir halten es für inakzeptabel, dass das Interesse anderer Industriezweige an diesem Abkommen alles untergräbt, wofür Europa stehen sollte: Umwelt-, Klima- und Tierschutz sowie faire Produktionsstandards.
Wir appellieren an alle EU-Abgeordneten, sich dafür einzusetzen, dass der landwirtschaftliche Teil dieses Abkommens, wegen der oben genannten Gründe, nachverhandelt wird.